Erziehung

Theorie und Praxis oder Wunsch und Wirklichkeit

 

 

21. September 2019

 

Den untenstehenden Artukel fanden wir in der Zeitschrift "Partner Hund" und fanden ihn vor allem für "Hundeanfänger" interessant genug, um ihn hier zu veröffentlichen. Vor allem da sich nach der Abgabe eines Welpen aus unserem letzten Wurf in seinem neuen Zuhause Probleme ergaben, die es für uns erforderlich machten, den jungen Hund wieder zurück zu nehmen.  Das lag sicher nicht am guten Willen der neuen Besitzer und wie wir glauben, bestimmt auch nicht an mangelnder Erfahrung. - Hier sind wohl eher die Beteiligten mit dem falschen Bein zuerst aufgestanden und "der Funke" konnte nicht überspringen. 

 

 

 

02. August 2019

Den unten folgenden Artikel las ich in der Zeitschrift "HUNDEWELT", Ausgabe Ausgust 2019 und fand ihn so interessant, dass ich mir erlaubt habe, den Text abzutippen - einfaches kopieren wäre sicherlich zu unübersichtlich geworden - und ihn mit den dazu gehörenden Fotos auf unsere HP zu setzen. Denn hier wird ein Thema, bzw. genetisch bedingtes Hundeverhalten behandelt, dass nach meiner Überzeugung viel zu wenig Beachtung findet. Außerdem glaube ich, dass ausreichende Kenntnisse hierüber entscheidend sind, will man einen Hund zu einem guten ("fehlerfreien") Pertner erziehen.

 

Ich selbst bin nur ganz normaler Hundehalter, habe weder jemals „auf Hund“ studiert, noch halte ich mich für einen Verhaltensforscher, auch bin ich nicht Ringrichter aller Rassen und schon gar kein weltweit anerkannter Groß-Kynologe. Aber ich denke, in über 60 Jahren Erfahrung als Hundefreund und –besitzer sind doch ein paar grundlegende Erkenntnisse hängen geblieben.

 

Vier Regeln haben sich so für mich im Laufe der Zeit ergeben:

1. Der Hund muss immer überzeugt sein, dass ich der Chef bin. Da darf es keine Diskussion geben.  –  2. Der Hund muss in jeder Situation absolutes Vertrauen zu mir haben, sich auf mich verlassen können.  –  3. Der Hund muss die für das Zusammenleben mit Menschen notwendigen Regeln beherrschen. Man sollte ihm aber so viele „persönliche“ Freiheiten wie möglich lassen. Es wird ihm ohnehin immer schwerer gemacht, halbwegs artgerecht zu leben.  –  4. Der Hund ist nicht Mittel zum Zweck, um z.B. Geltungsbedürfnis oder Frust des Besitzers zu kompensieren oder dessen Ehrgeiz zu befriedigen. Der Hund hat nämlich keinerlei Interesse an Pokalen oder Siegerschleifen. Auch "Dog Dancing" z.B. ist nicht gerade eine hundetypische Bewegungsart.  – Und vielleicht noch 5. Der Hund ist und bleibt Hund und wird nie Mensch! Auch wenn sich Industrie und Handel und manche Phantasten die größte Mühe geben!

 

Mit diesen Regeln liege ich im Sinne dieses Artikels wohl einigermaßen richtig . Wobei nach oben sicher immer noch etwas Luft ist.

 

Peter Bergmann

 Eingreifen oder raushalten?

 

Der Konflikt zwischen Kultur und der Natur des Hundes

 

Wenn sich Hundehalter begegnen, möchten viele, dass die Hunde sich beschnuppern. Es ist eine fixe Idee, dass alle Hunde Freunde sind. Jan Nijboer weist darauf hin, dass dies nicht in ihrer Natur liegt. In Wirklichkeit ereignen sich auf Spaziergängen Vorgänge, von denen wir nichts merken. Es Situationen, in denen man auf jeden Fall eingreifen sollte, um seinen Hund nicht zu enttäuschen.

 

Von Jan Nijboer

 

In der Zeitphase bevor Menschen angefangen haben mit Hunden spazieren zu gehen, haben Hunde oft auf dem eigenen Hof gelebt und in der Ranzzeit die Nachbarshündin besucht. In der Anfangsphase der Ära des Spazierengehens verstanden die damaligen Hundebesitzer es: Hunde sind territoriale Lebewesen. Bei Begegnungen mit fremden Hunden ist anfänglich nicht von Sozial-, sondern von territorial motiviertem Verhalten auszugehen. Deshalb hat man seinen Hund, beim Sichten eines anderen Hundes, an die Leine genommen. Das war vor der Flower-Power-Zeitphase.

 

Wir haben uns alle lieb

 

Die Flower-Power-Phase hat die Kultur in Bezug auf den Hund dramatisch verändert. Regelfreiheit und somit Laisser-faire-Erziehung zogen ein. Frei übersetzt: „einfach

 

laufen lassen“. Die fixe Idee, dass alle Hunde Freunde voneinander sind und dringend Kontakt mit allen Hunden unterwegs benötigen, ist in dieser Zeitphase und hält bis heute an. Stärker noch, die „Laisser-Faire“-Haltung ist teils abgerutscht in eine egalitäre Haltung. „Solange mein Hund nicht verletzt wird, ist es mir egal, ob er den anderen Hund kontaktiert und wie es dem anderen damit geht.“ Manche Verhaltenswissenschaftler behaupten der Hund bräuchte jeden Tag Kontakt mit (fremden) Artgenossen. Das entspricht nicht den biologischen Bedürfnissen des Hundes.

Er möchte nur „Hallo“ sagen

 

Die Konflikte von Hund zu Hund unterwegs sind die häufigsten Probleme, mit denen Hundehalter eine Hundeschule besuchen. Hunde sind gerne mit Artgenossen zusammen, mit denen sie unter einem Dach leben und denen sie sich zugehörig fühlen. Fremde Artgenossen zu treffen, im gefühlten eigenen Revier, ist für das Gros der Hunde unerwünscht. Der Jogger wird belästigt, der Radfahrer gehetzt, ein Kind wird in seiner Bewegung gestoppt. All diese Probleme haben mit dem Territorialverhaltendes Hundes zu tun und nicht mit fehlgeleitetem Jagdverhalten mit aggressiven Komponenten. Früher, wenn ich mit meinen drei oder vier Leonbergern unterwegs war, haben wir fast nie einen „der tut nix Hunde“ getroffen. Hundehalter haben ihren Hund schnell angeleint. Anders sieht es aus, wenn man mit einem kleinen oder unsicheren Hund unterwegs ist. Viele Hundebesitzer lachen über das Angstbellen des kleinen Hundes, und würden ihren größeren Hund nicht unbedingt an die Leine nehmen. Merkwürdig eigentlich, dass solche nicht wirklich sozialen Herrchen einen Hund als Sozialpartner wählen, weil er so sozial ist. Da wird deutlich mit zweierlei Maß gemessen. „Er möchte einfach nur Hallo sagen“, sagt dann der nicht wissende Hundebesitzer. Ich sage: „Ein Hund, der alle anderen Hunde liebt, ist schwer verhaltensgestört. Jedoch angenehm gestört, weil wir Menschen sein Verhalten nett finden.“

 

Papa passt auf dich auf

 

Tagtäglich sehe ich bei meinen Beobachtungen, dass Hunde die sogenannte „Kiebitz-Strategie“ durchführen. Viele Hundehalter wissen nicht, dass sie betreut unterwegs sind. Wenn der „freilaufende“ Hund sich um die Sicherheit des Menschen kümmert, bleibt er in der Nähe. Nicht weil er gut erzogen ist, sondern weil er sozial ist und die Verantwortung trägt. Wenn dann ein fremder Hund am Horizont erscheint, startet er durch und zieht beim fremden Hund alle Aufmerksamkeit auf sich. Auf penetrante Weise sucht er Kontakt und sorgt dafür, dass dieser Hund nicht an seinen Halter herankommen kann. Wenn der andere eingeschüchtert genug ist, lässt er ab.  Wenn es der fremde Hund schafft, in die Nähe seines Halters zu kommen, wird die Lage ernster. Mit mehr Nachdruck wird dem fremden Hund klar gemacht, dass er sich besser entfernt. An der Leine pöbelt so ein Hund dann, weil er die Kiebitz-Strategie nicht mehr durchführen kann und nicht in der Lage ist zu verhindern, dass der fremde Hund in die Nähe seines Schützlings, des Menschen kommt. („Freilauf“ ist die Hauptursache der sogenannten „Leinenaggression“). Konflikte von Hund zu Hund entstehen öfters in der direkten Nähe des Menschen. Das macht klar, dass die meisten Hunde ihre Menschen nicht als Bezugsperson sehen, sondern eher als Schützling. Solche Hunde ziehen an der Leine oft ihren „Nachzögling“ Mensch hinter sich her. In diesem Fall sind Hundehalter überhaupt nicht in der Position, wenn es von Hund zu Hund ernst wird, den eigenen Hund zu beeinflussen. Im Gegenteil: Wenn diese Personen dann versuchen einzugreifen, wird der Konflikt verstärkt, weil der Schützling (Mensch) sich in der Nähe des fremden Hundes und somit in unmittelbare Gefahr begibt. Dieses Phänomen nennt man „Parentifizierung“ und es bedeutet in diesem Fall eine Umkehr der sozialen Rollen zwischen Hundehalter und Hund. Der Hund übernimmt die Eltern-Funktion. Eine Rolle, die ihn überfordert und seine eigene Weiterentwicklung blockiert.

Gewinner und Verlierer

 

Die Annahme, dass Hunde mit solchen Situationen selbständig zurecht kommen müssen und lernen sollen mit Aggression umzugehen, passt lediglich, wenn man den Hund als soziale Insel und nicht als Sozialpartner sieht. Denn eigentlich lässt man seinen Sozialpartner Hund dadurch im Stich. Der Hund hat das Recht, sich durch seine Bezugsperson betreut zu fühlen. Hinter betreut steckt Treue. Das bedeutet beständige Begleitung. Raufergruppen, wo Hunde mit Maulkorb auf sich allein gestellt lernen müssen, mit der Situation umzugehen, sind symbolisch für den Mangel an sozialer Verantwortung von menschlicher Seite. Viele solcher Hunde erleben dann die oftmals in Welpengruppen erfahrene Traumata wieder neu. Sie können ihr Problem durch den Maulkorb nicht mehr lösen und resignieren. Oft werden sie auf diese Weise zu tickenden Zeitbomben. Hunde, die es schaffen, sich auf Kosten anderer Hunde als Gewinner zu fühlen, können zwar Souveränität entwickeln, dies sollte aber trotzdem nicht der Beweis sein, dass alle Hunde auf sich alleine gestellt besser mit solchen Situationen zurecht kommen. Man hat kein Recht, sondern einfach nur Glück gehabt!

Der Hund in der Kindrolle

 

Da ständig mehr Hundehalter im gleichen Gebiet eng aufeinander wohnen, sind Hundebegegnungen nahezu unvermeidbar. Das bedeutet, dass wir in der Entwicklung des Hundes bereits danach streben sollten, die kindliche Naivität des Hundes nicht zu verlieren. Dies verlangt von uns Menschen, dass wir die Elternrolle übernehmen und somit die Verantwortung für die Sicherheit des Hundes tragen. Der Mensch und nicht der Hund ist verantwortlich dafür, dass er mit uns leben muss. Wir bringen ihn in Situationen, die er selbst eher vermeiden würde. In dem Begriff Verantwortung steckt Antwort. Wir müssen also eine Antwort haben auf seine Hilfefrage in allen Lebenslagen. Schon in der Welpenschule sollten die Kontakte mit anderen Hunden durch den Menschen moderiert werden. Das bedeutet, dass der eigene Hund geschützt wird gegen Mobbing durch andere. Er lernt dabei auch unmissverständlich, dass er selbst nicht mobben darf, so wie in einem Kindergarten. In seiner Entwicklung sollte er auf diese Weise viele, durch den Menschen moderierte Kontakte mit anderen, auch fremden Hunden haben. Er wird dadurch erfahren, dass er betreut wird und er sich deswegen keine Sorgen machen muss. So kann Hundekontakt zu Freundschaften führen. Trotzdem hat der Hund das Recht, seine Freunde auszuwählen. Mit Freunden spielt man miteinander, mit Fremden diskutiert man gegeneinander. So sollte der Hund eher lernen, mit anderen neutral umzugehen. Ein gut betreuter, kindlich offener Hund knüpft sein Leben lang schneller auf positive Weise Kontakt mit anderen Hunden.

Konfliktpotenzial vermeiden

 

Wenn Sie mit ihrem Hund unterwegs einen anderen aufgeregten Hund treffen, drehen Sie sich mit ihrem Hund um. Somit haben Sie dem anderen Hund klar gemacht, dass Sie keinen Konflikt ansteuern wollen. Das kann den anderen Hund schon beruhigen. Wenn Sie dann langsam in diese Richtung weitergehen und sich durch den anderen Hund mit seinem Halter überholen lassen, drehen Sie in dem Moment wieder in die Richtung, die Sie anfänglich gehen wollten. So machen Sie auch ihrem Hund klar, dass Sie das Risiko gesehen haben, und im Sinne von Konfliktvermeidung handlungsfähig sind. Spielen Sie mit ihrem Hund nicht mit Gegenständen, die Sie unterwegs finden (z.B. mit einem Ast). Andere Hunde könnten das als ihren Besitz ansehen. Gehen sie nicht einfach nur spazieren. Hunde fragen sich immer: „Warum tun wir, was wir tun?“ Und wenn Sie nichts Gescheites mit dem Hund tun, denkt er, dass man mit Revierkontrolle beschäftigt ist. Das stärkt das Territorialverhalten des Hundes. Er wird mittels Markierverhalten vermehrt sein Revier abstecken und dazu tendieren, Eindringlinge zu verscheuchen. Sie sollten deswegen bestimmen, wo er sich lösen darf. Hilfreich ist es, ihn in wechselnden Gebieten mit einem Jagdersatzspiel (Nahrungssuche mit Futterbeutel) zu beschäftigen. So bleibt das Territorialverhalten ihres Hundes auf einem kindlichen Niveau. Und er hat seinen Kopf frei für die gemeinsamen positiven Aktivitäten mit Ihnen und wird unterwegs eher auf Chancen als auf Risiken orientiert sein.

 

Im Januar 2016

 

Ein nicht ganz ernst gemeinter Hinweis zur Hundeerziehung:

 

Dieses Bild bekamen wir zugeschickt und es ließ uns ein wenig grübeln. Wir denken, so ein Weih- nachtsbaum kann einen Hund, vor allem einen Rüden, wirklich in Versuchung bringen. Da bringt man ihm mühevoll bei, seine Geschäfte immer nur im Freien zu erledigen, wobei es in der Natur eines Rüden liegt, für das kleine Geschäft sich einen passenden Baum auszusuchen.

 

Und dann steht so einer auf einmal ganz verlok- kend in der Wohnung - auch noch in der kalten Jahreszeit! Zumindest die Männer unter uns wissen doch aus Erfahrung, dass die Erledigung des kleinen Geschäftes im Freien und bei Minus- graden nicht besonders angenehm ist - vor allem bei scharfem Ostwind!

 

Also aufgepasst, wenn sich Beppo oder Gonzo interessiert dem Baum nähern und anfangen, ihn im unteren Bereich intensiv zu beschnüffeln. Vielleicht hat ja schon vorher im Wald ein Vierbeiner . . . 

 

 

 

 

Im April 2015

 

Allen Interessenten, die einen Hund in ihre Familie aufnehmen wollen und keine oder auch nur rudimen- täre Kenntnisse über Hundehaltung und -erziehung haben, denen können wir aus Überzeugung die Lektüre dieses Buches empfehlen:

 

"Lassie, Rex & Co. - Der Schlüssel zur erfolgreiche Hundeerziehung"

von Dr. Felicia Rehage/Eiko Weigand - aktualisierte Neuauflage - erschienen im Kynos-Verlag

 

Das Buch macht auf den ersten Blick den Eindruck, als wäre es für Kinder geschrieben. Aber bei genauem Hinsehen ist es ein ernst zu neh- mender, unglaublich inhaltsreicher und auch humorvoller Leitfaden für das Verstehen und die Erziehung eines Hundes - von der Aufnahme eines kleinen Welpen bis hin zum "fertigen Hausgenossen und Lebensgefährten". - Selbst Hunde- liebhaber mit jahrzehntelanger Er- fahrung werden sich wundern, woran sie hätten denken können, was sie eigentlich wissen müssten, aber wieder vergessen oder doch nicht richtig verinnerlicht haben. - Viel Spaß beim Lesen!

 

Kommentar eines Käufers eines unserer Welpen zu diesem Buch:

 

Wir hatten aus dem Bekanntenkreis bereits eine große Zahl an Büchern geliehen bekommen, ich habe das von Ihnen empfohlene Buch dann aus Neugier trotzdem bestellt. Auch, weil die anderen Bücher durchweg "trocken" zu lesen waren und man den Eindruck bekam, dass sich die Autoren dort selbst loben. "Lassie, Rex und Co." bringt wirklich vieles nachvollziehbar auf den Punkt und liest sich flüssig und unterhaltsam. Ich habe die anderen Bücher erstmal zurückgestellt und werde dieses mindestens noch einmal lesen bevor Gaetano/Tomte zu uns kommt, außerdem habe ich es zur Pflichtlektüre für meine Frau erklärt.

 

Nils Fedrowitz

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Lieselotte Bergmann | Kontakt | Impressum