FCI-Rassestandard für den Wasserhund der Romagna (Lagotto Romagnolo)



Federation Cynologique International FCI
Secrétariat Général: 13. Place Albert I - B 6530 Thuin (Belgien)

FCI-Standard Nr. 298 / 24.07.1996 / D

WASSERHUND DER ROMAGNA (Lagotto Romagnolo)

Übersetzung: Dr. J.-H. Paschoud und Harry G.A. Hinckeldeyn
Ursprung: Italien
Datum der Publikation des gültigen Originalstandards: 24.07.1996
Verwendung: Trüffelhund
Klassification: FCI: Gruppe 8: Apportierhunde, Stöberhunde und Wasserhunde - Sektion 3: Wasserhunde - ohne Arbeitsprüfung

Kurzer historischer Überblick
Alteingesessener Wasser-Apportierhund in den sumpfigen Talgründen von Comaccio und in den Lagunen um Ravenna. Im Laufe der Jahre wurden die Sümpfe trocken gelegt und in Ackerland verwandelt. Seit der Urbar-machung wird der Lagotto in den Ebenen und Hügeln der Romagna zur Trüffelsuche eingesetzt.

Allgemeines Erscheinungsbild
Kleiner bis mittelgroßer, wohl proportionierter, kräftig gebauter Hund von rustikalem Aussehen miit dichtem, gelocktem Haar von wollener Struktur.

Wichtige Maßverhältnisse
Die Länge des Kopfes beträgt 40% der Widerristhöhe. Der Hund ist geradezu gleich lang wie hoch (quadratisch). Der Schädel soll etwas länger sein als 50% der Gesamtlänge des Kopfes. Der Fang ist um 2/10 kürzer als der Schädel (44% und 5%). Die Höhe der Brust misst weniger als 50% (ungefähr 44%) der Widerristhöhe.

Verhalten/Charakter (Wesen)
Seine natürliche Begabung zum Revieren und sein ausgezeichneter Geruchssinn haben seinen Wandel zu einem vorzüglichen Trüffelhund begünstigt. Sein Jagdinstinkt ist erloschen, womit er durch den Wildgeruch von seiner Arbeit nicht abgelenkt wird. Der Lagotto ist gehorsam, genügsam, aufge- weckt, liebenswürdig, fest an seinen Meister gebunden und leicht auszubilden. Er ist zudem ein aus- gezeichneter Begleit- und Wachhund.

Kopf
Von oben gesehen trapezförmig und mäßig breit, die oberen Begrenzungslinien des Fangs und des Schädels streben leicht auseinander.

Oberkopf/Schädel
Auf der Höhe der Jochbögen breit, die Länge des Schädels entspricht seiner Breite. Von der Seite gesehen ist der Schädel vom Stopp bis zum Hinterhauptbein länger als der Fang. Leicht konvex, wird er am Hinterkopf allmählich flacher.Die knöchernen Rundungen der Stirn sind gut entwickelt, die Augenbrauenbogen und die Stirnfurche sind ausgeprägt, der Hinterhauptbeinstachel ist kurz und nicht stark entwickelt, die supraorbitalen Einsenkungen sind unauffällig.
Stopp: Nicht zu stark ausgeprägt.

Gesichtsschädel

Nasenschwamm
Umfangreich, mit beweglichen Flügeln und weit geöffneten Nasenlöchern. Die vertikale Rinne ist ausgeprägt. Von der Seite gesehen ist der Nasenschwamm auf derselben Höhe wie der Fang und ragt nur wenig über den oberen Rand der Lefzen hinaus. Die Farbe entspricht der Farbe des Haarkleides und geht von hellbraun zu dunkelbraun.

Fang
Ziemlich breit, etwas kürzer als der Schädel (Verhältnis Schädel zu Fang = 56 zu 46), nur sehr wenig höher als lang, leicht keilförmig und vorne mäßig abgeflacht. Von der Seite gesehen ist der Nasenrücken gerade.
Lefzen: Die nicht allzu dicken Lefzen sind eher eng anliegend, so dass die untere Begrenzungslinie des Fangs durch den Unterkiefer gebildet wird. Sie sind von einem struppigen Oberlippenbart bedeckt. Von vorne gesehen bilden die Lefzen einen breiten Halbkreis. Die Farbe der Lippenum- randung geht von hellbraun bis dunkelbraun.

Backen
Flach

Kiefer/Gebiss
Die Kiefer sind kräftig mit fast geraden Seitenästen und relativ breiten Gebissknochen. Komplettes Scheren- oder Zangengebiss mit weißen, gut entwickelten Zähnen. Enger Vorbiss ist zulässig.

Augen
Ziemlich groß, rundlich, die Augenhöhle füllend, ziemlich weit auseinander liegend. Die Farbe der Iris geht entsprechend der Farbe des Haarkleides von Ocker über haselnussfarben bis zu dunkelbraun. Die Ränder der straff anliegenden Augenlider sind hellbraun bis dunkelbraun gefärbt. Die Augen- brauen sind sehr gut entwickelt. Der Blick ist lebhaft, der Ausdruck aufmerksam und aufgeweckt.

Behang
Im Verhältnis zum Kopf mittelgroß, dreiecksförmig mit abgerundeter Spitze, der eher breite Ansatz liegt knapp oberhalb des Jochbogens. In Ruhestellung hängend wird der Behang bei Aufmerksamkeit leicht angehoben. Wenn er längs des Fanges nach vorne gelegt wird, soll er ein Viertel der Länge des Fanges erreichen. Am Behang sind die Locken weniger straff, aber das Haar bleibt stark gewellt. Kein kurzes Haar am Behang. Die Innenseite der Ohrmuschel ist ebenfalls vollständig behaart.

Hals
Kräftig, bemuskelt, von ovalem Durchmesser, am Nacken gut abgesetzt und ohne eine Spur von Wamme. Bei den Rüden kann der Halsumfang die zweifache Länge des Halses erreichen. Die Länge des Halses ist etwas geringer als die Gesamtlänge des Kopfes.

Körper
Rumpf stramm und kompakt, in seiner Länge mindestens der Widerristhöhe entsprechend.

Oberlinie
Vom Widerrist zur Kruppe gerade.

Widerrist
Höher als die Kruppe, die Schulterblattspitzen sind nicht eng aneinander, aber gut vorstehend und weit nach hinten reichend.

Rücken
Stark bemuskelt, gerade.

Lenden
Kurz, sehr kräftig, von der Seite gesehen leicht gewölbt, ihre Breite entspricht oder überragt leicht ihre Länge.

Kruppe
Lang, breit, muskulös, leicht geneigt (Neigung von 25 Grad bis 30 Grad)

Brust
Gut entwickelt, sie reicht bis zu den Ellenbogen. Vorne ziemlich schmal, wird sie von der sechsten Rippe an nach hinten breiter. Untere Linie und Abdomen: Das Brustbein ist lang und bildet eine gerade Linie, weiter nach hinten ist die untere Linie nur leicht aufgezogen.

Rute
Weder zu hoch noch zu tief angesetzt, sich zur Spitze hin verjüngend. In ihrer Länge sollte sie knapp bis zum Sprunggelenk reichen. In der Ruhe säbelförmig getragen, bei Aufmerksamkeit eindeutig höher, bei der Arbeit oder im Affekt kann sie über dem Rücken getragen werden, ist aber nie gerollt.

Gliedmassen Vorderhand

Allgemeines
Von vorne und von der Seite gesehen senkrecht.

Schultern
Schulterblatt lang (30% der Widerristhöhe), gut schräg liegend (52 bis 65 Grad) bemuskelt, kräftig, fest aber ohne Einschränkung der Beweglichkeit an der Thoraxwand befestigt. Der Schultergelenkswinkel beträgt 110 bis 115 Grad.

Oberarm
Bemuskelt, von feiner Knochenstruktur, gleich lang wie das Schulterblatt, seine Neigung zur Horizon- talen beträgt 58 Grad bis 60 Grad.

Ellenbogen
Gut, aber nicht zu straff an der Thoraxwand anliegend, sie sind von zarter Haut überzogen. Wie für den Oberarm ist die Stellung der Ellenbogen parallel zur medianen Sagittalebene des Körpers. Die Spitze des Olecranons liegt auf einer vertikalen Linie, die vom kaudalen Ende des Schulterblattes zum Boden fällt.

Vorderarm
In genau senkrechter Stellung, lang (36% der Widerristhöhe), mit starken, kompakten Knochen von ovalem Querschnitt. - Vorderfußwurzelgelenk: Von vorne gesehen in der senkrechten Verlängerung des Vorderarmes, dünn, kräftig und beweglich, das Erbsenbein ist deutlich vorstehend.

Vordermittelfuß
Eher weniger dick und von feinerem Knochenbau als der Vorderarm, elastisch. Von der Seite gesehen bildet er mit dem Boden einen Winkel von 75 bis 80 Grad.

Vorderpfoten
Leicht gerundet, kompakt, mit gewölbten, eng aneinander liegenden Zehen. Die Krallen sind kräftig und gebogen. Die Fußballen sind gut pigmentiert. Die Zwischenzehenmembranen sind sehr gut entwickelt.

Hinterhand

Allgemeines
Gerade und parallel, kräftig in guter Proportion zur Größe des Hundes.

Oberschenkel
Lang (35% der Widerristhöhe) mit voneinander gut abgesetzten, deutlich sichtbaren Muskelpaketen. Die Achse des Oberschenkels weist zur Horizontalen eine ausgeprägte Neigung von 80 Grad auf. Der Hüftgelenkswinkel beträgt 105 bis 110 Grad. Der Oberschenkel ist parallel zur mittleren Sagittalebene des Körpers.

Knie
Der Kniegelenkswinkel beträgt 130 bis 150 Grad.

Unterschenkel
Nur wenig länger als der Oberschenkel (36% der Widerristhöhe), gut bemuskelt und von guter Knochensubstanz. Die Unterschenkelrinne ist gut sichtbar. Die Neigung der Unterschenkel zur Horizontalen beträgt 50 bis 55 Grad.

Sprunggelenk
Breit, dick, trocken, mit klar gezeichnetem knöchernem Umriss, parallel zur mittleren Sagittalebene des Körpers. Der Sprunggelenkswinkel beträgt ungefähr 140 Grad.

Hintermittelfuß
Dünn, zylindrisch,senkrecht zum Boden.

Hinterpfoten
Etwas mehr von ovaler Form als die Vorderpfoten, da die Zehen etwas weniger gewölbt sind.

Gangwerk

Schritt regelmäßig, Trab voller Energie und lebhaft, Galopp in kurzen Perioden.

Haut

Am ganzen Körper gut anliegend, ohne Falten, zart, Unterhautbindegewebe spärlich. Die Pigmentierung der Schleimhäute und der Ballen ist von brauner bis stark dunkelbrauner Farbe.

Haarkleid

Beschaffenheit des Haares
Wollig, oberflächlich etwas rau, mit eng gerollten ringförmigen Locken, welche die Unterwolle durchscheinen lassen. Die Locken sollen am ganzen Körper gleichmäßig verteilt sein, ausgenommen am Kopf, wo die Locken weniger straff gerollt sind und Augenbrauen sowie einen reichlichen  Oberlippen- und Kinnbart bilden. Sogar die Backen sind dicht behaart. Das Deckhaar und die Unterwolle sind wasserundurchlässig. Wenn das Haar nicht gekürzt wird, hat es einen Hang zur Verfilzung. Deshalb muss das Haar mindestens einmal im Jahr vollständig geschoren werden. Verfilztes Deckhaar und verfilzte Unterwolle müssen regelmäßig entfernt werden.

Farbe
Einfarbig unrein weiß, mit braunen oder orangen Flecken, braunschimmel, einfarbig braun (in verschiedenen Tönungen) oder einfarbig orange. Braune bis dunkelbraune Maske ist zulässig.

Größe und Gewicht

Widerristhöhe
Für Rüden 43 bis 48 cm (Idealgröße 46 cm).
Für Hündinnen 41 bis 46 cm (Idealgröße 43 cm)
Toleranz: 1 cm mehr oder weniger.

Gewicht
Für Rüden 13 bis 16 kg.
Für Hündinnen 11 bis 14 kg.

Fehler

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

- Obere Begrenzungslinien von Fang und Schädel sich einander annähernd
- Nasenrücken konkav
- Eindeutiger Vorbiss
- Partielle Depigmentierung des Nasenschwammes
- Schielen
- Haar nicht gelockt oder kurz geschnitten
- Haarfarbe schwarz, schwarze Flecken
- Afterkrallen
- Gekürzte Rute
- Über- oder Untergröße

Ausschließende Fehler

- Rückbiss
- Totale Depigmentierung des Nasenschwammes
- Glasauge
- Fettiges Haar

N.B.


Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, welche sich vollständig im Hodensack befinden.

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