Krankheiten und genetische Defekte, die bei den Lagotti auftreten können

Hüftgelenksdysplasie - Juvenile Epilepsie - Lysosomale Speicherkrankheit - Katarakt/PRA - Kurzfell-Gen - Patellaluxation - Vorbiss

 

 

Die Hüftgelenksdysplasie - HD

 

 

 

 

Die Hüftgelenksdysplasie - kurz HD genannt - eine erblich bedingte Fehlentwicklung des Hüftgelenks, kommt unseres Wissens in ejeder der weltweit rund 400 Hunderassen vor. In einigen dieser Rassen - vor allem den großen - ist sie stärker verbreitet, in anderen weniger. Die Lagotti sind als Rasse davon wohl nicht so stark betroffen.

 

In der Darstellung oben - Quelle: www.royalcanin.de - sind verschiedene Stufen abgebildet.

 

Man unterscheidet folgende Stufen: HD A1 und A2 = Frei / HD B1 und B2 = Verdacht / HD C1 und C2 = leichte HD / HD D1 und D2 = mittlere HD / HD E 1 und E2 = schwere HD.

 

Hat ein Hund auffallende Schwierigkeiten beim Laufen, evtl. sogar erkennbare Schmerzen, kann das ein Hinweis auf eine HD-Erkrankung sein. Feststellen lässt die sich jedoch nur durch Röntgen.

 

Doch Vorsicht - den entsprechenden Facharzt sollte man sich sehr sorgfältig aussuchen. Denn neben der erforderlichen Fachkenntnis und der wirklich korrekten Lagerung des Hundes bei der Aufnahme, gehört auch ein modernes Röntgengerät dazu. Die Aufnahmen werden nämlich an eine zentrale Auswertungsstelle beim VDH geschickt und dort ist einmal ausgewertet auch immer ausgewertet. Gut, das ist letztlich nur für Züchter wichtig, aber wenn ich meinem Hund schon diese Aktion zumute und gut dafür bezahle, möchte ich auch ein zweifelsfreies Ergebnis. - Es hat schon Aufnahmen von ein und demselben Hund gegeben, deren Auswertungen von HD-frei bis HD-C2 reichten.

 

Für uns als Züchter sind die Ergebnisse, die Zuchthunde betreffend, natürlich viel bedeutender. Zunächst waren wir der Meinung, nur HD-freie Hunde miteinander zu verpaaren, um wirklich jedes Risiko auszuschließen. Doch selbst HD-freie Elterntiere sind kein hundertprozentiger Garant für HD-freie Welpen.

 

Gegen diese absolute HD-frei-Konsequenz sprechen noch zwei andere Gründe:

Erstens gibt es beim Bewertungsergebnis eine gewisse Bandbreite, begründet aus der Qualität der Aufnahme und der Sichtweise des Bewerters. Deshalb hat sich allgemein die Überzeugung durchgesetzt, dass man z.B. eine HD-freie Hündin durchaus mit einem Rüden verpaaren kann, der mit HD-B oder HD-C bewertet ist.

Zweitens ist bei unseren Lagotti aufgrund der geringen Verbreitung der Rasse die Zuchtbasis recht schmal. Würde man jetzt alle Hunde, die nicht HD-frei sind, von der Zucht ausschließen, hätte man ganz schnell eine katastrophale Inzucht. Von anderen Erbkrankheiten und Gen-Defekten, die dann kumulieren würden, einmal ganz abgesehen.

 

Wir haben selbst das Glück, dass unsere beiden aktuellen Zuchthündinnen - Aletta und Arubi - HD-frei sind. Trotzdem bemühen wir uns bei jeder Wurfplanung um einen HD-freien Deckrüden.

 

Die Juvenile Epilepsie - JE:

 

Die Juvenile Epilepsie - kurz JE - ist eine Erbkrankheit, die nur im Welpenalter von etwa der 4. Woche bis max. der 14. Lebenswoche auftritt. Die nicht sehr dramatischen Anfälle treten meist durch Auf- regung auf und sind nach wenigen Minuten wieder vorbei. Ebenso gut kann es sein, dass die Erkran- kung überhaupt nicht auffällt. Dem entsprechend zeigen auch Welpen, die "nur" JE-Träger sind, in ihrem weiteren Leben keinerlei Symptome. Für den Welpenkäufer, der einfach nur einen Familien- hund haben will, ist die JE also praktisch ohne Bedeutung. Uns selbst ist auch kein Fall bekannt, dass sich irgendwelche Folgen später bemerkbar gemacht hätten.

 

Für uns Züchter ist die Kenntnis eines Trägers oder eines Befallenen natürlich wichtig, weil man diese Erkrankung schließlich eliminieren will. Für unsere Rasse wurde deshalb ein Gen-Test zur Bestim- mung der JE entwickelt, der absolut sicher ist. Als Züchter im 1. LRCD dürfen wir nur mit JE-freien Hunden und JE-Trägern züchten. Das heißt, wir verpaaren entweder zwei JE-frei Hunde miteinander oder einen JE-Träger mit einem JE-Freien. Nur so ist gewährleistet, dass in einem Wurf keine JE-befallenen Welpen sind.

 

Unsere Aletta ist JE-Trägerin, was die Auswahl der Deckrüden naturgemäß einschränkt. Arubi ist JE-frei, ihr steht also das ganze Spektrum an Deckrüden zur Verfügung.

 

Die Lysosomale Speicherkrankheit - LSD:

 

Die LSD (Lagotto Storage Disease) ist nach unserer bisherigen Kenntnis eine genetische, erbliche  Stoffwechsel-Erkrankung, die erst seit wenigen Jahren hier aktuell ist und sich offenbar von Süden nach Norden ausbreitet. In gleicher oder ähnlicher Form kommt diese Krankheit auch bei fast allen anderen Hunderassen vor - und ähnelt in ihren äußeren Anzeichend verblüffend und für uns auch verdächtig der vor Jahren aufgetretenen BSE-Erkrankung bei Rindern.

 

In Zusammenarbeit mit den Universitäten Bern und Helsinki wurde kürzlich eine Studie durchgeführt, zu der die Blutproben von 1.300 Lagotti untersucht wurden. Das erfreulichste Ergebnis ist, dass daraus ein Gen-Test entwickelt werden konnte, mit dem sich zweifelsfrei feststellen lässt, ob ein Hund frei, Träger oder befallen ist.

 

Das zweite weniger erfreuliche Ergebnis ist, dass 11 % der untersuchten Hunde Träger dieser rezessiven Mutation sind und 1 % ist von der Krankheit befallen. Nach den Ergebnissen dieser Untersuchung kann ein LSD-Träger mit einem gesunden Hund verpaart werden, ohne dass sich das mutierte Gen weiter vererbt. Zwei Träger dürfen nicht verpaart werden und befallene Hunde sind sowieso ausgeschlossen.

 

Nach den Schilderungen, die wir bisher gehört haben, sind die Auswirkungen dieser Krankheit - die etwa zwischen dem vierten Monat und dem vierten Lebensjahr erstmals auftreten - fürchterlich. Sie beginnen mit unsicherem, schwankendem Gang, der immer unkoordinierter wird. Auch zeigen sich unkontrollierte Augenbewegungen und Verhaltensänderungen, die bis zur Agression gehen können. Weiter wird von starken Einschränkungen zunächst der Hinterläufe und später der Vorderläufe berichtet, die bis zur totalen Lähmung führen. Auch von Krämpfen und spastischen Anfällen, ebenso wie von Skelettdeformationen wird berichtet. Diese Erkrankung ist eine unaufhaltsame Abwärtsspirale  und zwingt in wenigen Monaten unausweichlich dazu, den bedauernswerten Hund einzuschläfern. - Es soll inzwischen Behandlungsmöglichkeiten geben, aber Genaueres dazu ist uns noch nicht bekannt.

 

Wenn wir die wenigen Informationen, die wir bisher erhalten haben, richtig verstehen, zerstört diese Krankheit die Nervenbahnen und führt damit zum Zelltod im Gehirn und verschiedenen Körperteilen. Offenbar noch nicht bekannt ist die generelle Herkunft dieser Krankheit. Hat sie einen geographi- schen Ursprung oder sind die Ursachen vielleicht in der Futtermittel-Industrie zu suchen? Für möglich halten wir letzteres allemal, da man mittlerweile weiß, dass in Futtermitteln Geschmacksverstärker,  dubiose Chemikalien und sogar Ergas verarbeitet werden! - Auch von gehäckselten Autoreifen im Fertigfutter hat man schon gehört!

 

Vielleicht erinnern wir uns auch noch an BSE? Damals löste sich bei zigtausenden Rindern das Hirn auf, weil sie als reine Pflanzenfresser mit Tiermehl von verendeten Säugetieren gefüttert wurden! Vielleicht wurde seinerzeit ein Teil der gekeulten Rinder zu Hundefutter verarbeitet. Die Symptome bei den damals betroffenen Rindern und den heute betroffenen Hunden ähneln sich jedenfalls auffallend!  Wir werden uns um weitere Informationen bemühen und diese Zeilen ggfs. korrigieren.

 

Natürlich haben wir alle unsere Hunde testen lassen. Arubi ist frei von diesem genetischen Defekt. Bei Aletta hat sich jetzt in einem Nachtest heraus gestellt, dass sie Träger ist. Wir müssen also darauf achten, dass wir sie nur mit einem "freien" Rüden verpaaren.

 

 Die Katarakt (Grauer Star) - PRA (Progressive Retinaatrophie):

 

Der Graue Star ist eine Trübung der im Normalfall völlig durchsichtigen Augenlinse, die sich allmählich verstärkt und bis zur vollständigen Erblindung führen kann. Katarakt ist nicht nur erblich, sondern kann auch durch eine Verletzung herbei geführt werden. Daraus kann im Laufe der Jahre auch der "Grüne Star" entstehen.  Bei zunehmender Trübung kann dem Hund die betroffene Linse operativ entfernt werden.

 

Da der Erbgang beim Katarakt noch unbekannt ist, sind befallene Hunde von der Zucht auszuschlies- sen. Da diese Erkrankung auch erst bei älteren Hunden auftreten kann, sollten zur Zucht eingesetzte Tiere mindestens alle zwei Jahre, besser noch jedes Jahr darauf hin tierärztlich untersucht werden.

 

An der PRA kann ein Hund bis zum fünften Lebensjahr erkranken. Es handelt sich hierbei um eine genetisch bedingte, fortschreitende Rückbildung der Netzhaut, deren Anlage der Hund schon seit Geburt in sich trägt und die nicht heilbar ist. Eine Diagnose gilt erst ab dem fünften Lebensjahr als endgültig sicher und ein befallener Hund ist von der Zucht sofort auszuschließen.

 

Hier sind regelmäßige Untersuchungen genau so zwingend erforderlich wie bei Katarakt und werden deshalb auch gleichzeitig durchgeführt. Unsere beiden Hündinnen Aletta und Arubi sind bisher von beiden Krankheiten frei und müssen sich in diesem Jahr wieder der Untersuchung stellen.

 

Das Kurzfell-Gen:

 

Die so genannte "Kurzhaarigkeit/Kurzfelligkeit" war und ist bei den Lagotti äußerst selten und tritt in Würfen gleichzeitig mit den "normalfelligen" Welpen auf. Diese Hunde sind keineswegs krank, sondern unterscheiden sich eben nur im Fell von ihren Geschwistern. Die Kurzfelligkeit ist nicht schon bei der Geburt ersichtlich, sondern kommt erst nach und nach zum Vorschein, mit sieben bis acht Wochen ist es deutlich zu erkennen. Die erwachsenen Tiere haben eine längere "Befederung" an der Körperun- terseite, an den Ohren, der Unterseite der Rute, auch an der Hinterseite der Läufe. Im Aussehen ähneln sie dann stark dem kleinen Münsterländer.

 

Diese Hunde haben einen ganz normalen Fellwechsel und haaren natürlich, sind aber ansonsten völlig gesunde Hunde. Sie entsprechen jedoch äußerlich nicht dem Rassestandard und können deshalb weder angekört noch ausgestellt werden.

 

In der Schweiz sind seit 1998 rund zehn Würfe bekannt, in denen kurzhaarige Welpen vorkamen, in Deutschland unseres Wissens bisher nur einer. Daher ist davon auszugehen, dass es unter den zur Zucht verwendeten Hunden immer noch Träger dieses Kurzhaar-Gens gibt, wie auch, dass das Vor- kommen künftig nicht zu einem Problem wird.

 

Die Haarlänge und Fellbeschaffenheit wird erblich von zwei Genen definiert, pro Hund mit einem Gen F für gelockt, das dominant über Gen f ist, und einem Gen f für kurzhaarig. Dieser Hund hat dann gelocktes Fell. Wenn ein Hund beide Gene ff hat, kommt die Kurzhaarigkeit zum Vorschein. Wenn man also zwei Träger dieses Gens miteinander verpaart, erhält man nach der Mendel´schen Verer- bungslehre 25% des Wurfes als "kurzhaarig" (also betroffen), 25% als "gelockt" (frei vom Gen f) und 50% "gelockt" (also normal ausssehend, aber Träger des Gens f).

 

Die Kurzhaarigkeit beim Lagotto tritt nach wie vor äußerst selten auf und ist deshalb in der Wichtigkeit mit der JE nicht zu vergleichen. Um es aber trotzdem aus der Zucht zu bekommen, hat die Fa. LABOKLIN einen Test - den so genannten Furnishing-Test - entwickelt, mit dem man feststellen kann, ob der Hund Träger ist oder nicht.

 

Dieser Test ist vorerst freiwillig, wird aber von den Züchtern in der Regel durchgeführt. Unsere beiden Hündinnen Aletta und Arubi sind frei.

 

Diesen Text  haben wir in gekürzter Form einer Veröffentlichung Ute Ruoffs (1. Vorsitzende des 1.LRCD) aus dem Oktober 2011 entnommen.

 

Die Patellaluxation:

 

Die Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung) ist eine Erkrankung, die durch Fehlstellungen des Ober- und Unterschenkels hervorgerufen wird, eher selten durch Unfälle. Etliche Hunderassen haben eine Veranlagung dazu, andere kaum. Eine Untersuchung vor der Zuchtzulassung ist nicht in allen Zuchtvereinen Pflicht. Im 1. LRCD wird sie auf freiwilliger Basis durchgeführt.

 

Die Patella (Kniescheibe) wird durch feste Bänder und Sehnen in ihrer Possition gehalten und durch eine Furche im Kniegelenk in ihrer senkrechten Bewegung geführt. Verlässt die Kniescheibe ihre festgelegte mittige Position nach innen oder außen (Patellaluxation), funktioniert der Streckmecha-nismus nicht mehr korrekt und jede Bewegung erzeugt Schmerzen.

 

Je nach Stärke der Verformung kann diese Verrenkung unterschiedlich häufig und stark sein. Von einmalig zufällig, ausgerechnet bei einer tierärztlichen Untersuchung über gelegentlich und leicht bis dauerhaft und schwer. Leichte Fälle geben sich gelegentlich von selbst oder können vom Tierarzt wieder eingerenkt werden. In schweren Fällen ist das mit den Händen nicht mehr zu machen, sondern muss operativ beseitigt werden. Doch Vorsicht, nicht gleich hysterisch werden, wenn der Hund einmal einen Hinterlauf schont. Operiert ist nicht nur bei Hunden schnell und manchmal unnötig.

 

Man unterscheidet insgesamt vier Schweregrade. Aber auch wenn leichte Verrenkungen immer wieder auftreten, sollte operiert werden. Denn das ständige Herausspringen und wieder Hineindrücken der Kniescheibe führt mit der Zeit zu bleibenden Schäden (Arthrosen) am Kniegelenk. Weder Medika- mente noch andere Maßnahmen führen zu Erfolg.

 

In den meisten Fällen verläuft die Operation erfolgreich oder sie verringert die Probleme deutlich. Doch die Diagnose sollte, evtl. auch nach längerer Beobachtung, sicher sein. Manchmal behalten die Hunde aber die angewöhnte "Verrenkungs"-Gangart und es gibt auch Hunde, die laufen als hätten sie eine Luxation, obwohl das Gelenk in Ordnung ist. Für beide Fälle gibt es aber noch keine Erklärung.

 

Unsere beiden Hündinnen Aletta und Arubi sind frei von solchen Problemen.

 

 

Unter den domestizierten Caniden gibt es vier verschiedene Gebissformen, von den es zusätzlich noch einige Abweichungen gibt. Wir bleiben jedoch bei den vier Hauptformen. - Siehe Abbildung rechts - Quelle: Deutsches-Jagd-Lexikon

 

Das Scherengebiss ist mit ca. 80% die bei den Hunden am häufigsten vorkommende Gebissform.

Das Zangengebiss kommt selten vor, wird bei einigen (Jagd-)Hunderassen, die fest zupacken sollen, aber gewünscht.

Der Vorbiss ist relativ häufig und kommt bei einigen Rassen standardmäßig vor, am bekanntesten sind wohl Boxer, English Bulldog, Französisch Bulldog und Mops. - Der Vorbiss kommt allerdings auch bei Rassen vor, bei denen er nicht erwünscht ist.

Der Rückbiss oder auch Überbiss ist wohl die seltenste Variante. Jedenfalls ist uns bis heute kein solcher Hund untergekommen.

 

Der Lagotto Romagnolo ist eine der Hunderassen, bei der Vorbiss vorkommt, auch erlaubt (also kein die  Zucht ausschließender Grund), aber nicht erwünscht ist. Dieser Vorbiss ist allerdings nur erlaubt, wenn es sich um einen "Reibevorbiss" handelt. Das heißt, die Schneidezähne des Unterkiefers dürfen zwar vor denen des Oberkiefers vorstehen, müssen diese bei geschlossenen Kiefern aber noch berühren.

 

Natürlich ist es das Bestreben des 1. LRCD und seiner Züchter, den Vorbiss aus unserer Rasse heraus zu züchten und die Chancen sind wohl nicht schlecht. So richtig einfach ist das jedoch auch nicht, wenn man gewissen Gerüchten glauben darf. Nach denen soll es Züchter geben, die zur Gebissentwicklung ihres Hundenachwuchses zahnärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

 

Unsere Hündin Aletta hat diesen so genannten Reibevorbiss, was uns dazu verpflichtet, nur Deckrüden mit einem kompletten Scherengebiss zu nehmen, was die Auswahl natürlich einschränkt. Da sie auch JE-Trägerin ist, wird die Auswahl noch kleiner, aber es hat bisher ganz gut geklappt. In ihrem ersten, unserem C-Wurf, gab es unter acht Welpen nur einen mit Vorbiss. In ihrem zweiten, unserem E-Wurf, gibt es unter neun Welpen zwei mit Vorbiss.

 

Unsere Arubi hat damit, wie auch mit allen anderen möglichen "Fehlern" (HD, JE, LSD, PL, usw.), keinerlei Probleme, könnte also rein theoretisch mit jedem Deckrüden . . .

 

Fazit:

 

Wir sind keine hundemedizinischen Experten, haben weder Biologie noch "auf Tierarzt" studiert. Wir sind auch keine mehrsprachigen, Fachbücher schreibende und international vernetzte, unfehlbare Hundezucht-Gurus mit der gesammelten kynologischen Weisheit von Jahrhunderten. Was wir über die obigen Themen wissen, haben wir aus unserer jahrzehntelangen, persönlichen Erfahrungen mit unseren und auch fremden Hunden, uns angelesen, aus einer Vielzahl von Gesprächen mit anderen "Hundeverrückten", aus Vorträgen und in letzter Zeit auch aus dem Internet.  

 

Wir hatten auch nie vor, hochwissenschaftliche Abhandlungen zu schreiben, sondern unsere Absicht ist, Lagotto-Interessierten erste Informationen über diese Rasse und ein wenig Material zum Über- legen an die Hand zu geben. Man möge uns daher den einen oder anderen akademischen Fehlpass und gelegentliche laienhafte Formulierungen und Ungenauigkeiten nachsehen.  Gerne sind wir bereit, uns korrigieren zu lassen und unsere Texte entsprechend zu ändern.

 

Auf ein paar Punkte, die uns mittlerweile ziemlich sauer aufstoßen, möchten wir abschließend noch hinweisen:

 

Wer diese Seiten aufmerksam gelesen hat, wird eine Vorstellung davon haben, mit wieviel Sorgfalt und Aufwand die meisten der dem VDH angehörenden Züchter ihre Hunde aufziehen. - Und wie widersinnig die immer wieder aufgestellten Behauptungen sind, Mischlingshunde seien gesünder, Hundezucht allgemein sollte verboten werden, um den Nachschub in die Tierheime zu stoppen und die bedauernswerten Hunde aus den Tierheimen und Tötungsstationen der Mittel- und Schwarzmeer-Anrainerstaaten müssten unbedingt gerettet und nach Deutschland gebracht werden.

 

Richtig ist, dass bei planvoller, kontrollierter Zucht Gesundheitsrisiken gezielt minimiert werden und Rassehunde im statistischen Mittel wesentlich gesünder sind als Mischlinge. - Richtig ist auch, dass bei der meist ungewollten, gelegentlich aber sogar auch gewollten Inzucht-Verpaarung von Mischlingen sich die Gefahr einer Potenzierung genetischer Defekte geradezu zwangsläufig ergibt.

 

Richtig ist, die "wilde", nicht reglementierte Hundezucht sollte, ebenso wie der professionelle Hundehandel, rigoros verboten und auch geahndet werden. Richtig ist aber auch, dass das nicht viel helfen wird, so lange es diese Unbelehrbaren, Geiz-ist-geil-Schnäppchenjäger, "berufsmäßig" Mitleidigen und weinerlichen Betroffenheitslyriker gibt, die diesen Markt überhaupt erst möglich machen.

 

Richtig ist, dass einem die Hunde aus verschiedenen Ländern des Mittelmeer- und Schwarzmeer- raumes wirklich leid tun können. Richtig ist aber auch, dass diese Hunde dort nicht und niemals weniger werden, bloß weil einige Hundert pro Jahr hier "Asyl" finden. Richtig ist ferner, dass die meisten dieser Hunde psychisch gestört sind, genetische oder gesundheitliche Defekte haben, hier in den seltensten Fällen zu ganz normalen unkomplizierten Hunden werden, u.U. den Rest ihres Lebens auch hier in Tierheimen bleiben und außerdem schon Krankheiten hier eingeschleppt haben, die man früher hier nicht kannte.

 

Richtig ist zu guter Letzt auch, dass es in den hiesigen Tierheimen jede Menge einheimischer Hunde gibt, die dort bis zum bitteren Ende ihr Leben fristen. Zum großen Teil obwohl sie zunächst völlig gesund und verhaltensunauffällig sind. Sie sind dort, weil ihre Besitzer verstorben und die Erben nur am geldwerten Nachlass interessiert sind. Oder sie landen im Tierheim, weil sie unüberlegt oder beim Hundehandel gekauft wurden, wegen Trennung oder Scheidung oder Überforderung und mangelnder Sachkenntnis - und auch durch unausgegorene Ländergesetze, wie die diversen "Kampfhunde"-Verordnungen. Irgendwann dreht dann auch der ausgeglichenste Hund am Rad und bekommt den "Zwingerkoller". - Nicht zuletzt bekommen sie in den meist unterfinanzierten Tierheimen auch deshalb "lebenslänglich", weil eine geschickte, Mitleid erzeugende Propagandawelle eben diese süd- und südosteuropäischen Hunde hierher spült und die einheimischen Hunde in die zweite Reihe drängt.

 

 

Im Dezember 2015

 

Nachdem wir im Laufe der Jahrzehnte nicht nur Erfahrungen mit unseren Hunden sondern auch mit Tierärzten gesammelt haben - auf ´s Ganze gesehen mehr positive als negative, von den letzteren aber immer noch zu viel - möchten wir hier ein lesenswertes Buch empfehlen:

 

"Hunde würden länger leben, wen . . . "

Schwarzbuch Tierarzt

Totgeimpft

Fehlernährt

Medikamentenvergiftet

Von Frau Dr. med. vet. Jutta Ziegler - Herausgegeben vom Thalia-Verlag - überall im Buchhandel zu beziehen.

 

Es gibt aber zu jeder Meinung eine Gegenmeinung, das Buch scheint uns in einigen Punkten zu radikal und ein mehrstündiger Vortrag (mit Laser-Point-Präsentation) von Frau Dr. Ziegler selbst hat uns auch nicht in jeder Hinsicht überzeugt. Deshalb haben wir uns erlaubt, neben der Reszension von amazon, die das Buch ja verkaufen wollen, auch die kritische Renzension der Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin Andrea Schäfer aus dem Internet herunter geladen. Wir gehen einfach davon aus, dass Sie damit einverstanden ist, kann es doch bei interessierten Hundehaltern nur zu noch mehr Verständnis führen.

 

In zwei Punkten sind wir mit Frau Dr. Ziegler - nach den bisher von uns und anderen Hundehaltern gemachten Erfahrungen - auf jeden Fall einig: 1. Sollte man bei der Auswahl des "Tierarztes des Vertrauens" so sorgfältig wie möglich vorgehen. - 2. Die Grundimpfung dr Welpen am Ende der achten Woche soll auf jeden Fall durchgeführt werden. Die zweite Impfung in der 12. und die dritte in der 16. Woche, jeweils mit dem Tollwut-Serum, werden wir bei unseren eigenen Hunden so nicht mehr durchführen! Wir werden zukünftig damit bis nach dem kompletten Zahnwechsel (ca. 4. - 6. Monat) warten! Dann ist der Organismus kräftiger, stabiler, die Impfungen werden besser vertragen, die Gefahr von Nebenwirkungen und Folgeschäden ist deutlich geringer!

 

Rezension
Dr. med.vet. Jutta Ziegler: „Hunde würden länger leben, wenn... Schwarzbuch Tierarzt“

„Ca. 8,2 Millionen Katzen und 5,4 Millionen Hunde leben derzeit in deutschen Haushalten. Nahezu all diese Vierbeiner werden regelmäßig mit sinnlosen Impfungen, chemischen Medikamentenkeulen und abstrusen Diätfuttermitteln traktiert und so regelrecht krank therapiert. Dieses Enthüllungsbuch zeigt die Missstände in unseren Tierarztpraxen und deckt die Verflechtungen zwischen Tierarzt- Geschäft und der Futtermittelindustrie auf. Die Tierärztin Jutta Ziegler informiert anhand von praktischen Fallbeispielen, wie unsere Hunde und Katzen eben nicht behandelt und ernährt werden sollten. Der verantwortungsbewusste Tierbesitzer erhält in diesem Buch Tipps und Ratschläge, wie er sein Tier und sich selbst vor korrupten und gewissenlosen Tierärzten schützen kann, die die Gesundheit der ihnen anvertrauten Tiere zugunsten ihrer eigenen Brieftasche in verantwortungsloser Weise aufs Spiel setzen. Dieses Buch sollte für jeden Tierhalter, dem das Wohl seines Tieres am Herzen liegt,
Pflichtlektüre sein!“
Kurzbeschreibung aus www.amazon.de


Ein Hundebuch in einer Katzenzeitschrift? Keine Bange – bereits das erste Kapitel beschreibt den Fall eines Katers mit Harnsteinen. Denn das Buch spricht Halterinnen und Halter von Hunden und Katzen in ausgewogenem Verhältnis an. Und schließlich wohnen in etlichen felinen Haushalten auch Caniden.
Anhand von Fallbeispielen beschreibt die Autorin, wie falsche Ernährung, überhöhter Antibiotika- und Kortisoneinsatz und unkritische Verabreichung von Impfstoffen unseren Tieren schaden können. Zu Recht prangert sie die Praxis an, in Industriefuttermitteln Getreide zur Hauptnahrung von Fleischfressern zu machen. Als Alternative empfiehlt sie ausschließlich Rohfütterung („BARF“). Prinzipiell befürworte ich, Tiere so naturnah wie möglich zu ernähren! Aber deswegen jegliches Fertigfutter zu verdammen, kann auch nicht der ausschließliche Weg für jeden „Dosenöffner“ sein.

 

Hier hätte ich mir mehr Objektivität gewünscht, zumal es inzwischen etliche Hersteller gibt, die wirklich gute Tiernahrung zubereiten (auch wenn man diese natürlich nicht „an jeder Ecke“ bekommt). Rohfütterung setzt ein gewisses Grundwissen über Ernährung voraus – kein Hexenwerk, das man nicht lernen kann! – aber eben auch nicht aus der Hand geschüttelt. Dass eine falsch verstandene Rohfütterung zu Mangelerscheinungen führen kann, hat Frau Ziegler nicht erwähnt (z.B. Gicht bei den früheren „Metzgerhunden“, hauptsächlich Rottweiler, die früher ausschließlich mit Schlachtabfällen gefüttert wurden). Auch dass eine Allergikernahrung ggf. andere Bestandteile benötigt (und zwar auch in der Rohfütterung), wird nicht ausreichend genannt. Selbst gekochte Tiernahrung kann übrigens ebenfalls vollwertig sein, gerade Gemüse ist gekocht oft besser verwertbar. Es reicht eben nicht, den Tieren einfach einen Fleischbrocken mit etwas Gemüse, Kräutern und einem Löffelchen Öl vorzusetzen, und dann sei alles gut. Es fehlt z.B. der dringende Hinweis keinen rohen Süßwasserfisch zu füttern (Zerstörung des lebenswichtigen Vitamins B1 durch die enthaltene Thiaminase). Auch Obst sollte wegen des Zuckergehalts nur sehr eingeschränkt
angeboten werden. Der Tipp mit der Heilerde ist aber gerade bei der Nahrungsumstellung und bei Entgiftung auf jeden Fall sinnvoll. Wichtig wäre auch noch gewesen zu erwähnen, dass eine Ernährungsumstellung nicht „sofort“ wirkt. Bevor sich z.B. Haut und Fellqualität bessert, kann es 6-8 Wochen dauern, denn solange benötigt der Stoffwechsel, um Schadstoffe auszuscheiden.

 

Den Fall des nierenkranken Katers kann ich leider bestätigen, diese Problematik sehe ich in der Praxis immer wieder. Und hier ist tatsächlich die Ernährung Hauptauslöser (z.B. zu häufige Trockenfuttergabe). Allerdings ist Frau Ziegler selbst nicht ganz konsequent. Sie verurteilt einerseits Tierärzte, die Fertigfutter in ihrer Praxis anbieten, betreibt jedoch selbst ein Ladengeschäft und einen Online- Futtershop. Es handelt sich zwar um hochwertige Produkte, aber Werbung bleibt es eben doch. Und auch „kaltgepresstes“ Hunde-Trockenfutter bleibt Trockenfutter mit all‘ seinen (Vor- und) Nachteilen.

Leider wurde nur in einem Nebensatz erwähnt, warum Tierärzte so wenig über Ernährung wissen, obwohl sie es doch studiert haben müssten. Das gesamte Fach der Tierernährung wird an den Universitäten nicht „objektiv“ gelehrt, sondern massiv von der Nahrungsindustrie gesponsert und beworben, denn Forschungsergebnisse werden wechselseitig genutzt. Auch die Fachliteratur kommt im Regelfall nicht ohne „Werbeseiten“ der Pharmaindustrie und Nahrungshersteller in die Regale und kein Tierärztekongress lässt sich ohne Sponsorengelder (und Werbung) finanzieren. Ein Tierarzt, der dem Ganzen nicht kritisch gegenübersteht und sich z.B. über die natürliche Ernährung der „wilden Verwandten“ oder Inhaltsstoffe von Medikamenten kundig macht, bekommt also „gefilterte“ Informationen, die er natürlich auch an den Tierhalter weitergibt. Übrigens lernen Tierärzte im Studium auch so gut wie nichts über Alternativen zu „OP und Chemie“. Das liegt in der Natur eines Universitätsstudiums, da die sog. Komplementärmedizin kaum gelehrt wird. Daher wenden die meisten Veterinärmediziner „Schulmedizin“ an - sie kennen es nicht anders. Hut ab vor jedem Tierarzt (und es werden immer mehr!), die sich z.B. über Pflanzenheilkunde, Akupunktur, Homöopathie oder Ernährung „schlau machen“ und dies in der Praxis anwenden. Dies erfordert aber einen hohen finanziellen und zeitlichen Einsatz, den man sich z.B. als kleiner Assistenzarzt häufig gar nicht leisten kann!

 

Was mich am Buch jedoch mehr ärgert, ist, wie „schludrig“ mit medizinischen Begriffen und aktuellen Entwicklungen umgegangen wird. Ich schiebe diese Fehler mal auf das Lektorat, denn es darf ineinem Sachbuch einfach nicht sein, dass

  • weibliche Tiere immer noch „sterilisiert“ werden, obwohl man Kastration meint
  • „iatrogen“ mit „vom Arzt verursacht“ übersetzt wird („iatrogen“ heißt einfach, dass man die Ursache nicht kennt, und das hat nichts mit Unwissen zu tun!)
  • als Ursache von Knochen- und Gelenksdeformationen (HD, ED etc.) hauptsächlich die Ernährung genannt wird. Sicherlich spielt die Ernährung des  Junghundes eine große Rolle, aber die Problematik wird m.E. hauptsächlich durch den Wunsch des Menschen (!) nach immer größeren Tieren (denn es betrifft immer häufiger auch große Katzenrassen, nicht nurHunde) ausgelöst, ist also zucht- und rassebedingt. Hier muss also dringend angesetzt werden (Zuchtauslese und „Augen auf beim Welpenkauf“!), erst in zweiter Linie bei der individuellen Welpen- und Jungtierentwicklung. Wichtige und inzwischen anerkannte Alternativmethoden zur Schmerzbekämpfung wie z.B. die Goldakupunktur wurden gar nicht genannt.
  • man Fertigfutter „für großwüchsige Hunde“ für zu energiereich beschreibt (denn diese Nahrung wird seit Jahren gezielt energiearm hergestellt, weil die Probleme bei zu schnellem Wachstum bekannt sind)
  • der Eindruck erweckt wird, dass „jede“ Katze ein Impfsarkom bekommt. Das Fallbeispiel war extrem, die Katze deutlich „überimpft“. Zum Glück treten Impfsarkome nur bei etwa 1-3 pro 10.000 der geimpften Katzen auf, aber jeder dieser betroffenen Stubentiger hat einen tragischen Leidensweg vor sich. Leider fehlt im Buch der Hinweis darauf, dass man Katzen am besten nicht mehr zwischen den Schulterblättern, sondern stattdessen an der Brust oder am Hinterbein spritzen (lassen) und sich die Impfstelle merken sollte, denn an diesen Körperregionen kann im Fall der Fälle viel besser operiert werden.
  • L-Tryptophan und Alpha-Casozepin „Teufelszeug“ sein sollen. Diese beiden Wirkstoffe natürlichen Ursprungs sind in bestimmten Fällen gerade in der Verhaltensmedizin äußerst wirksam und über einen begrenzten Zeitraum sehr sinnvoll einzusetzen (allerdings tatsächlich nicht in der täglichen Nahrung). Pflanzliche „Beruhigungstropfen“ vertreibt Frau Ziegler übrigens selbst.
  • das Aujeszky-Virus (im Buch falsch geschrieben) ausgerottet sei. Erst 2006 und 2009 gab es wieder vereinzelte Fälle in Deutschland, 2010 starben mehrere Hunde in Österreich am Verzehr von Wildschweinfleisch. Als „aujeszky-frei“ gilt in Europa derzeit nur derskandinavische Raum und Großbritannien.
  • es keine Anpassung an eine geänderte Ernährung gibt. Man hat bei einigen Hunderassen festgestellt, dass sich die Darmlänge im Vergleich zum Wolf bereits verändert hat. DiesemHunde sind mit ihrer verlängerten Darmpassage in der Lage, mehr pflanzliche Stoffe zu verwerten (was natürlich kein Argument für Fertigfutter ist; und bei der Katze hat sich dieDarmlänge bislang nicht verändert).
  • dass Rohknochenfütterung „völlig“ unproblematisch sei. Hunde müssen sich erst an Knochenfütterung gewöhnen, wenn sie bislang nur Fertigfutter erhalten haben. Sonst kann es durchaus zu Verstopfung (oder im Gegenteil zu Durchfall) kommen. Ich selbst kenne Hunde, die Knochen nur gewolft (und daher streng „dosiert“ in einer Mischkost) vertragen. Prinzipiell rate ich aber ebenfalls zur Fütterung von rohen fleischigen Knochen (z.B. an einem ganzen rohen Hühnerflügel haben Katze viel Spaß und sie „lutschen“ sogar noch das Mark aus!)

Am meisten erschüttert hat mich die Beschreibung eines Welpen, der am Nackenfell geschüttelt wird, weil er ein unerwünschtes Bächlein abgesetzt hat. Von wem stammen diese „Erziehungsmethoden“: vom Tierhalter oder gar von der Autorin? Nein, in „ernst zu nehmenden Erziehungsbüchern“ steht so etwas seit Jahren nicht mehr! Selbst wenn man nicht in der Verhaltensmedizin geschult ist, sollte man mitbekommen haben, dass diese Handgreiflichkeiten (wie z.B. auch die Nase in den Urin oder Kot zu drücken) völlig unnütz und für die Tier-Mensch-Beziehung absolut kontraproduktiv sind... Bei den Beispielen der „Light-Futtermittel“, künstlicher Ergänzungsstoffe und ähnlicher neumodischer Ernährungs-Auswüchse bin ich dann wieder ganz bei Ziegler. Nicht ohne Grund raten unabhängige Ernährungswissenschaftler auch uns Menschen, auf Fertignahrung weitgehend zu verzichten und selbst aus natürlichen Zutaten zu kochen.

 

Ebenso ist die unreflektierte Gabe von Psychopharmaka tatsächlich strikt abzulehnen. Was bei den ganzen Fallbeispielen fehlt, ist die differenzialdiagnostische Betrachtung, also das „Was hätte es denn noch sein können“? Vielleicht hätte man den bauchwehgeplagten Hund auf Einzeller testen sollen. Eine andere Beschreibung hätte mich zur Thematik der Schilddrüsenfunktionsstörungen geführt, der Kater mit „Pinkelproblem“ hätte verschiedene Arten von Harnsteinen haben können, die jeweils eine ganz unterschiedliche Herangehensweise erfordern. So zieht sich das leider durch das ganze Buch.

 

Dass Antibiotika durch viel zu häufige Gabe bei einigen Erregern bereits zu Resistenzen geführt haben, wurde erwähnt. Dass einige äußere und innere Parasiten gegen chemische Wurmkuren, Spot- On-Präparate oder Halsbänder immun sind, hingegen nicht. Sehr wichtig jedoch der Hinweis auf die
Nebenwirkungen! Es gibt immer mehr Tiere, die diese Mittel nicht. Ein Hinweis auf eventuelle Alternativen zur chemischen Entwurmung (außer die Ernährungsumstellung) wäre sinnvoll gewesen! Der Einsatz von Corticosteroiden („Kortison“) überdeckt häufig nur das Symptom einer Grunderkrankung... ja, das stimmt. Kortison ist aber ein sehr wichtiges und lebensrettendes Medikament, wenn es z.B. zu schweren Allergiesymptomen kommt. Nicht jede Gabe von „Chemie“ ist verdammenswert!

 

Dass (zumindest) in Deutschland viel zu lange zu häufig und damit unnötig geimpft wurde, lässt sich durch unabhängige Studien längst belegen. Daher sind die sog. „Impfintervalle“ auch vor einigen Jahren angepasst worden, wenn auch m.E. noch nicht sinngerecht. Natürlich sind Impfungen ein Riesengeschäft - für den Tierarzt, aber vor allem für die Pharmaindustrie! Andererseits wird dem Tierarzt vom Tierhalter aber auch eine Art „Haftung“ (Gesundheit um jeden Preis!) auferlegt. Diese kann der Mediziner aber (ebenso wie in der Humanmedizin) nicht erfüllen. „Heilung“ und Freiheit von Krankheit kann man immer nur versuchen, aber nicht garantieren! Hält der Tierarzt nun aus diesem Grund die Impfempfehlungen des bpt ein, handelt er aus Vorsicht. Denn man weiß ja nicht,
ob es nicht doch einmal zu einem (teuren) Haftpflichtfall kommt... Hier ist also auch der informierte und kritische Tierhalter gefragt! Letztlich entscheidet nämlich der Tierhalter, wie oft und gegen welche Erkrankungen ein Tier geimpft wird – und trägt auch die Verantwortung dafür. Verpflichtungen gibt es nur bei Auslandsreisen, Ausstellungsbesuchen oder Pensionsaufenthalten. Polemisch sämtliche Impfungen zu verdammen, wird der Sache nicht gerecht (und wird auch in der angegebenen Literatur-Quelle nicht empfohlen).

 

Insofern hat das Buch bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die Ansätze sind gut, und ich hoffe, das Buch wird jeden Leser zum Hinterfragen der Allopathie (Schulmedizin) und vor allem der Ernährung führen! Wachrütteln wird die Lektüre also (hoffentlich) auf jeden Fall. Pauschal alle Schulmediziner wegen dem, was sie tun oder nicht tun, zu verurteilen, kann aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Natürlich kommen zu mir als Tierheilpraktikerin auch die „Fälle“, bei denen die Schulmedizin nicht zum Erfolg führte. Aber ohne Tierarzt geht es nicht, alleine schon der diagnostischen Möglichkeiten wegen (z.B. Röntgen), aber auch weil die Schulmedizin vor allem im Notfall unzählige Tiere vor dem (zu frühen) Tode bewahrt!

 

Ein wenig mehr Objektivität hätte dem Buch also gut zu Gesicht gestanden. Denn dass manches aus rein wirtschaftlichen Interessen schief läuft, ist unbestritten! Aber man muss sich dann auch konstruktiv mit der Materie (und den Kollegen) auseinandersetzen. Und ich frage mich natürlich, ob nicht mancher Tierhalter nach dem Lesen stark verunsichert ist – und dann womöglich einen erforderlichen Tierarztbesuch hinauszögert. Dieses Buch kann keinen guten Tierarzt ersetzen – und die gibt es! Vielleicht schon im Nachbarort! Und es ist auch wichtig und richtig, dass sich manche Tierärzte auf ein Fachgebiet spezialisieren. Wie in der Humanmedizin sollte man zunächst zum Hausarzt gehen und danach ggf. einen Facharzt aufsuchen.

 

Wichtig ist, dass auch die Tierhalter umdenken! Solange wir immer noch lieber eine „Pille“ geben, statt die wirklichen Ursachen einer Erkrankung zu suchen – solange wir es eben „einfach“ haben wollen, statt den „umständlicheren“ Weg der umfassenden Diagnostik zu gehen - solange wir alles glauben, was die Industrie uns mit enormem Werbeaufwand suggeriert - solange wir unsere Tiere fett füttern statt tiergerecht ernähren und beschäftigen... solange wird sich auch die Gesundheit und medizinische Versorgung unserer Tiere nicht verbessern. Tierhalter müssen „mündiger“ werden und Tierärzte sich auf kritische Gespräche einlassen und ihr Tun hinterfragen – zum Wohl unserer geliebten Vierbeiner! Wenn das Buch dazu führt, empfehle ich es gern!

 

Andrea Schäfer
Tierheilpraktikerin/Tierpsychologin
www.thp-schaefer.de
31.05.2011

 

 

 

 

 

Für Anhänger der Homöopathie

 

Hier prallen Weltanschauungen aufeinander - die Einen sind überzeugt, dass die kleinen weißen Kügelchen gegen und für Alles gut sind - die Anderen halten das für absoluten Humbug.

 

Hier nur ein Beispiel: In der Zucht kommt bei Rüden-Welpen immer mal ein ein-, manchmal auch beidseitiger Hodenhochstand vor. Nach unseren Erfahrungen erledigt die Natur das meistens ganz alleine, wenn man dem jungen Burschen bis etwa anderthalb Jahren die Zeit dafür lässt. Lilo hat zwei- oder drei Mal die Anwendung der entsprechenden Globuli empfohlen und es hat geklappt. Ich selbst vermute, dass es auch ohne diese Zauberkügelchen geklappt hätte. Irgendwie hat das was religiöses: Man muss nur fest genug daran glauben!

 

In einem anderen Fall sprachen die Besitzer eines Jungrüden wegen seines noch nicht vorhandenen Familiensilbers bei einem erfahrenen Tierarzt vor. Der lehnte die Globuli als erwiesenen Blödsinn ab und ging streng veterinärmedizinisch vor. Der Erfolg blieb so komplett aus, dass die Hoden später operativ entfernt werden mussten. Hier hat dann wohl die Wissenschaft versagt - oder der Tierarzt.

 

Immerhin liest sich das Buch ganz interessant, man kommt gelegentlich sogar ins Grübeln und staunt ab und an über diese unglaublich vielen Wehwehchen, die so ein Hund haben kann und wie einfach die doch zu beheben sind.

 

Peter Bergmann

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